Ein Streifzug durch die Geschichte des Paravents

Der Ursprung des Paravents führt uns nach China, in die späte Chou-Dynastie, zwischen das 4.und 3. vorchristliche Jahrhundert, wo ihn schriftliche Quellen erstmals erwähnen. Der chinesische Paravent wurde als reines Kontemplationsobjekt betrachtet, als Quelle geistiger und schöpferischer Inspiration.

Neue Formen und Funktionen entwickelte der Paravent in Japan, wo er aus China kommend beachtliche Popularität entwickelte. Der japanische Paravent war im Gegensatz zum chinesischen, den das Monumentale kennzeichnet, von fragiler Leichtigkeit und fand im japanischen Alltag vielfältigste Verwendung. In japanischen Häusern können drei verschiedene Arten von Wandschirmen angetroffen werden: Beim Hauseingang platziert erfüllte er die Funktion, böse Einflüsse abzuwehren. Weiters gibt es die sogenannte „fusuma“, eine Schiebewand, und schließlich den aus mehreren Paneelen bestehenden Faltschirm, den „byobu“, was wörtlich „Schutz vor dem Wind“ heißt.

Auch in Europa lassen sich originäre Wurzeln nachvollziehen. Im Mittelalter diente der Paravent dazu – wie die Bedeutung des Wortes französischen Ursprungs zum Ausdruck bringt -, ungewollten Luftzug abzuhalten. Stellt man sich die Weite der mittelalterlichen Hallen und Säle vor, so wird verständlich, dass die damaligen Menschen Abhilfe gegen Kälte schaffen mussten, sowie sie wohl auch einem Bedürfnis nach Intimität nachkommen wollten.

Der gefaltete Paravent erhielt indessen seine entscheidenden Impulse aus Ostasien, von wo er im 16. Jahrhundert nach Europa gelangte. Bei dem der Öffnung des Seewegs nach Ostasien folgenden Kulturaustausch spielten übrigens die Jesuiten eine nicht unbedeutende Rolle, wobei sie unter anderem den Paravent nachweislich als Medium zur Vermittlung europäischen Kulturguts einsetzten.

Die frühesten erhaltenen Beispiele europäischer Paravents stammen aus dem ausklingenden 17. Jahrhundert. Waren es anfangs häufig Nachahmungen des berühmten chinesischen Koromadelschirms, etwa aus geprägtem Leder, so entstand der Paravent später in den verschiedensten Stilrichtungen jeweils in Abstimmung mit den anderen Möbeln eines Raumes.

Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang die funktionale Bedeutung des Paravents im Rahmen des barocken Lever, wie uns das in der Oper, etwa in der Hochzeit des Figaros oder im Rosenkavalier, vor Augen geführt wird. Im Übrigen ist der Paravent seit jeher für die amouröse Komödie ein unentbehrliches Bühnen- und Filmrequisit geblieben.

Bis etwa 1880 waren Wandschirme mit nur wenigen Ausnahmen von anonymen Handwerkern und Künstlern geschaffen worden und galten als Möbelstück. Ab diesem Zeitpunkt entwickelte sich der Paravent, zunehmend seiner ursprünglichen praktischen Funktion beraubt, zu einem künstlerischen Ausdrucksmittel eigener Art, mit dem sich zahlreiche Künstler, die nunmehr auch namentlich bekannt sind, auseinandersetzen.

So etwa hinterließ Paul Cezanne einen bemalten sechsteiligen Wandschirm. Der Gegenwart näherkommend begegnen wir Paul Klee oder Marc Chagall, der einen Paravent lithographisch gestaltete und in hundertfacher Auflage erzeugte.

Ein ganz wesentlicher Impuls für das Bestehen des Paravents ging in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts vom Architekturkonzept als Gesamtkunstwerk aus und von einem neuen Trend, der Design und Innenarchitektur auf breitere Ebene neu definierte und in Frankreich seinen zentralen Ausgangspunkt fand. Ausdruck und quasi Gipfelpunkt dieser Kultur war 1925 die Pariser „Exposition Internationale des Arts Décoratifs et Industriels Modernes“, eine Ausstellung die erstmals auf internationaler Ebene die angewandte Kunst zum Thema hatte.

Eine Protagonistin dieses Zeitgeists war Eileen Gray (1879-1976), die ihre beeindruckende Karriere als Designerin und Architektin mit der Gestaltung von Paravents begann. Bekannt sind vor allem ihre Lackparavents.

Neu und besonders fruchtbringend war die enge Zusammenarbeit von Architekten, Designern, Handwerkern und Künstlern. Zu dieser Generation zählte etwa Jean-Michel Frank (1895-1941), jener begabte Pariser Inneneinrichter der zwanziger und dreißiger Jahre, den Art déco Liebhaber heute noch vergöttern. Von ihm sind uns unter anderem etliche Paravents bekannt, die zum Teil aus seiner Zusammenarbeit mit Künstlern wie Diego Giacommetti oder Salavador Dalí stammen.

Der Paravent ist bis heute in der modernen Designerszene anzutreffen, sowie er auch ein Ausdruckmittel zahlreicher Künstler geblieben ist.

Quelle: Janet Woodbury Adams, Decorative Folding Screens in the West from 1600 to the present, New York, 1982